Hintergrund
Das Schienennetz der Eisenbahnen in Deutschland hat derzeit eine Streckenlänge von ca. 38.500 km. Größter Netzbetreiber ist die DB AG mit rund 33.500 km. Die Schieneninfrastruktur bedarf zur Verkehrssicherungspflicht und Anlagenverantwortung für einen sicheren und zuverlässigen Bahnbetrieb eines Vegetationsmanagements bzw. einer entsprechenden Vegetationspflege. Hierbei fallen aufgrund des weitverzweigten Netzes großen Mengen an Biomassen entlang der Schienenwege und Betriebsflächen der Bahn an, die nach festen Zyklen gerodet werden. Die Vegetationspflege steht hierbei im permanenten Spannungsfeld aus Sicherheit, Streckenverfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit.
Projektziel
Ziel des Forschungsprojektes ist es, das Biomassepotenzial entlang der Schienenverkehrsflächen zu bestimmen und eine quantitative und qualitative Auswertung hinsichtlich der potentiellen Nutzung bzw. weiterführenden Verwertung des anfallenden Grünschnitts vorzunehmen. Des Weiteren wird eine Kosten-Nutzen-Abschätzung im Hinblick auf mögliche Verwertungspfade durchgeführt. Aufbauend darauf werden Handlungsempfehlungen im Gesamtkontext des Klimaschutzes zur THG-Reduktion aufgezeigt.
Projektablauf
Die Analyse und Bewertung des Themenkomplexes sowie die in diesem Zusammenhang zu erstellenden Konzepte erfolgt in mehreren Arbeitspaketen.
Teilleistung 1: Ermittlung und Untersuchung Biomasse
Zunächst erfolgt eine Klassifizierung des Untersuchungsgebiets in sinnvolle Kategorien (Cluster) mit dem Ziel, repräsentative Standorte zur Vermessung des vorhandenen Biomassepotenzials zu bestimmen. Zur Kartierung der Biomassemengen an den ausgewählten Standorten setzen wir eine Drohne mit LiDAR-Scanner ein, um Form und Oberflächenbeschaffenheit der Vegetation in einer hohen Auflösung zu erfassen und in einem 3D-Modell darzustellen. In einem nächsten Schritt werden aktuelle Satellitendaten für eine deutschlandweite Abschätzung der entlang des Schienennetzes anfallenden Biomassen herangezogen.

Beispiel: Drohnenaufnahme eines Waldstückes mit
LiDAR-Scanner (Bildquelle: U-ROB GmbH)
Teilleistung 2: Strategie zum Abtransport und Verwertungskonzepte
Ziel von Teilleistung 2 ist es, Verwertungswege zur stofflichen und energetischen Nutzung der identifizierten Biomassepotenziale inklusive der Einsatztechniken zur Aufnahme und zum Abtransport des Grünschnitts auszuarbeiten. Dabei sollen die technischen, rechtlichen und ökologischen Restriktionen, die für die anschließende Bewertung und Priorisierung der Verwertungskonzepte notwendig sind, zusammengestellt werden.
Teilleistung 3: Bewertung und Handlungsempfehlung
Abschließend werden die vorherigen Projektergebnisse zusammengeführt und eingeordnet. Darauf basierend erfolgt die Erstellung eines detaillierten Strategie- und Maßnahmenkatalogs, der eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Nutzung des vorhandenen Biomassepotenzials ermöglicht und gleichzeitig regulatorische sowie technische Anforderungen berücksichtigt.
Auftraggeber:
Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) am Eisenbahn-Bundesamt (EBA)
Unterauftragnehmer:
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
TransMIT – Gesellschaft für Technologietransfer mbH, Projektbereich für öffentlichen Verkehr und Verkehrsmanagement
Laufzeit:
09/2025 bis 02/2027
Kontakt:
Patrick Marx
Arbeitsfeld:
Stoffströme / Forschungsgruppe Transformationswissen