Bundesabwärmetagung 2026: Abwärme gemeinsam nutzen – von der Potenzialanalyse zur Umsetzung.

Die Bundesabwärmetagung 2026 (BAT26) fand am 17. Juni 2026 erstmals in Kooperation mit der Fachtagung Abwärme Baden-Württemberg statt. Die gemeinsame Veranstaltung brachte rund 650 Teilnehmende sowie rund 70 Ausstellende zusammen und schuf damit ein bundesweit einmaliges Forum für den Austausch zur Nutzung unvermeidbarer Abwärme. Die Tagung im Haus der Wirtschaft in Stuttgart knüpfte an die erfolgreichen Veranstaltungen der Vorjahre an und beleuchtete die Abwärmenutzung in Unternehmen und Wärmenetzen in ihrer gesamten Bandbreite.

Zukünftige gesetzliche Rahmenbedingungen für die Abwärmenutzung im Mittelpunkt der gegenwärtigen Diskussion

Hochaktuelle Impulse lieferten Vertreter:innen aus Bundes- und Landesministerien sowie relevante Akteure aus Industrie, Kommunalverwaltung, Versorgung und Forschung. Unter der Moderation der ZDF-Journalistin Anja Heyde diskutierten sie bundespolitische Fragestellungen und deren Bedeutung für die Landespolitik.

Veranstalter der Bundesabwärmetagung waren in diesem Jahr erneut das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES gGmbH) gemeinsam mit den Partnern des Projekts AwaNetz, welches durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert wird. Durch die Kooperation mit der baden-württembergischen Abwärmefachtagung der Landesagentur Umwelttechnik Baden-Württemberg (UTBW) bot der gemeinsame Veranstaltungstag eine bisher einzigartige Gelegenheit, die bundespolitische und baden-württembergische Perspektive in einer Veranstaltung zu bündeln. Diese Verknüpfung erwies sich als besonders wertvoll: Sie ermöglichte einen gemeinsamen Austausch zwischen Bundes- und Landesebene sowie zwischen Industrie, Kommunen, Energieversorgung, Abwasserwirtschaft, Rechenzentren, Wissenschaft, Politik und Praxis.

Vom Potenzial zur konkreten Umsetzung

Die Debatte um Abwärme ist längst in der Umsetzungsphase angekommen. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr daher konkrete Projektwege – von der kommunalen Wärmeplanung über interne Wärmerückgewinnung und -nutzung bis zur Anbindung von Abwärmequellen an Wärmenetze. Die Beiträge aus der Praxis zeigten, dass bereits vielfältige Lösungen existieren – etwa zur Nutzung von Prozessabluft, industriellem Prozesswasser, Abwasser, Zementwerksabwärme oder Wärme aus Rechenzentren.

Zentrale Erkenntnisse aus den Beiträgen und Diskussionen

Kommunale Wärmeplanung ist der zentrale Hebel: Abwärme muss früh in Wärmeplanung, Netzplanung und kommunale Energiekonzepte einfließen. Nur so lassen sich Wärmequellen, Wärmenetze und Wärmesenken so aufeinander abstimmen, dass aus Potenzialen belastbare Versorgungskonzepte werden.

Praxisbeispiele zeigen Umsetzbarkeit: Die vorgestellten Best-Practice-Projekte – etwa die Energiezentrale Cerdia in Freiburg, die Nutzung von Zementwerksabwärme, Abwasserwärme für städtische Quartiere sowie interne Wärmerückgewinnung in der Industrie – machten deutlich, dass Abwärme heute bereits technisch und wirtschaftlich nutzbar ist. Entscheidend sind angepasste Systemlösungen, frühzeitige Projektentwicklung und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Quelle, Netz und Abnehmer.

Rechtliche Stellschrauben entscheiden über Projekte: Neben der technischen Machbarkeit gewinnen Verträge, Netzanschlüsse, Vergütungs- und Regulierungsfragen sowie die Absicherung von Wärmequellen zunehmend an Bedeutung. Rechtliche Klarheit ist damit ein wesentlicher Baustein für investitionsfähige Abwärmeprojekte.

Risikoabsicherung bleibt eine zentrale Herausforderung: Gerade bei industriellen Abwärmequellen stellt die mögliche Ausfallrisikobetrachtung eine Hürde dar. Aber auch dort, wo Akteure entgegen möglicher Unsicherheiten und Bedenken bereit sind, ein etwas höheres Risiko einzugehen, kommen Projekte voran. Das Fachforum zur Risikoabsicherung zeigte: Es braucht tragfähige Modelle, die Ausfallrisiken kalkulierbar machen und Investitionen in Abwärmeprojekte absichern – etwa durch Förderinstrumente, öffentliche Absicherung oder neue Versicherungslösungen. Auch eine Diversifikation von nachhaltigen Wärmequellen hilft dabei als Absicherung, auch gegenüber Geldgebern.

Abwärme ist nicht gleich Abwärme: Die parallelen Foren machten die Vielfalt der Quellen sichtbar: Industrie, Abwasser, Rechenzentren und kommunale Infrastruktur unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Temperatur, Verfügbarkeit, Standort und wirtschaftlicher Nutzbarkeit. Deshalb sind bedarfsgerechte Lösungsansätze entscheidend, die je nach Quelle und Standort variieren und sich zugleich zu tragfähigen Modellen weiterentwickeln lassen.

Netzwerke beschleunigen die Umsetzung: Der Ausbau von Abwärmenetzwerken und der systematische Austausch zwischen Wärmequellen, Wärmenetzen und Wärmeabnehmern wurden als wesentliche Voraussetzung benannt, um Projekte schneller von der Idee in die Umsetzung zu bringen.

Fachforen, Vernetzung und Perspektiven für die Skalierung

Die Tagung bot mit sechs parallelen Fachforen ein breites Spektrum an Vertiefung, während die Fachausstellung, das B2B-Matchmaking und Projekt-Pitches Raum für die Vernetzung und konkrete Gespräche zwischen Abwärmequellen, Technologieanbietenden, Netzbetreiber:innen, Kommunen und potenziellen Wärmeabnehmer:innen schuf.

Mit dem Foren-Wrap-up und dem Beitrag zu Abwärme-Netzwerken wurde zudem deutlich, dass die nächste Stufe in der Skalierung liegt: aus einzelnen Pilotprojekten belastbare, wiederholbare Versorgungsmodelle entwickeln.

Fazit

Die Bundesabwärmetagung 2026 hat gezeigt: Die Abwärmenutzung ist technisch reif, die Akteure sind bereits gut vernetzt und das Thema ist in Politik, Wirtschaft und Kommunen angekommen. Entscheidend für den nächsten Schritt sind nun verlässliche Rahmenbedingungen, tragfähige Absicherungsinstrumente und eine konsequente Verzahnung von Abwärmequellen mit kommunaler Wärmeplanung und Wärmenetzen.
Abwärme ist damit kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Baustein einer gelingenden Wärmewende, welcher von Industrie, Kommunen, Energieversorgung und Politik gemeinsam gedacht und umgesetzt werden muss.